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«Yystoo für e FCB» – in Basel formiert sich Widerstand gegen die Clubführung
Von rotblauapp.ch | Publiziert: Mo, 21. Sep 2020 06:15 | Bearbeitet: Mo, 21. Sep 2020 10:37
In den vergangenen Wochen überschlagen sich die Ereignisse in Basel. Nach den Skandalen rund um den Trainerwechsel beim FC Basel sehen sich viele Fans in ihrer Meinung bestätigt, dass es Zeit für einen Abgang der aktuellen Führung ist. Seit diesem Montag bildet sich erstmals eine organisierte Allianz: «Yystoo für e FCB».
Wer sich in diesen Tagen innerhalb der Region Basel bewegt, kann die Anzeichen nicht übersehen, dass es im Untergrund brodelt. Transparente zieren die wichtigen Verkehrsachsen: «Niemer isch grösser als dr Verein», «Alli hänn e Problem aber mir hänn zwei» und «S Mass isch voll. Burgener, Heri, abfahre!» sind noch die freundlichen Varianten. Man stösst immer wieder auf aufwendig gestaltete Filmplakate wie «Grounding: Die letzten Tage des Burgenairs» oder «Erlöse uns von dem Bösen» in Anspielung auf Burgeners Firma «Constantin Film». Dazu gibt es an Kreuzungen immer wieder Wegweiser, die «Zyt zum Goo» zeigen. Kein Zweifel, der FCB beschäftigt die Basler auch heute.
Die Fans haben verstanden, dass es einen Zusammenschluss von verschiedensten Strömungen braucht, um den FCB nachhaltig zu verändern.
Der Widerstand manifestiert sich zu einer Bewegung

Um eine Änderung beim FC Basel zu bewirken, reichen Transparente indes nicht. Die Fans haben verstanden, dass es einen Zusammenschluss von verschiedensten Strömungen braucht, um den FCB nachhaltig zu verändern. Doch bis zu diesem Montag gab es noch keine konkrete Allianz von Fans, die sich gegen die Clubführung stellen wollte. 


Bild: Kampagne «Y stand zem FCB» aus den 1980er-Jahren (Bild: Stefan Kaiser, Twitter)


Angelehnt an die Kampagne «Y stand zem FCB» aus den 1980er-Jahren und dem gemeinsamen Einstehen an der Fasnacht entstand in den letzten Wochen die Bewegung «Yystoo für e FCB». Aus Sicht der Initianten befindet sich der FC Basel heute wie damals in einer kritischen Situation, die ein breites Engagement nötig macht. Das Ziel ist, eine offene Plattform für den Austausch und Bündelung von Interessen innerhalb der FCB-Fangemeinde zu schaffen. 

Am Montagvormittag ging nun die Webseite der Bewegung unter yystoo.ch online, wo die Betreiber wie bei einer Petition Unterschriften sammeln möchten.

Anpassungen bei Vereinsstatuten als erstes Ziel

Zur Erinnerung: Der FC Basel besteht aus Verein «FC Basel 1893», «FC Basel 1893 AG» und «FC Basel Holding AG». Die Holding AG ist ein übergeordnetes Konstrukt und im Mehrheitsbesitz von Bernhard Burgener. Sie hält 75 % an der AG, welche den gesamten Profibetrieb (1. Mannschaft, Geschäftsstelle, usw.) organisiert. Die anderen 25 % sind in Besitz des Vereins.
Der Verein soll einen Repräsentanten stellen dürfen, welcher Einsitz im Verwaltungsrat der AG nimmt.
Wie schon bei der letzten Mitgliederversammlung des Vereins vorgeschlagen, soll es nun zu einer Statutenänderung im Verein kommen. Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es zwei Vorschläge: Einen Änderungsvorschlag des FC Basel und einen von FCB-Mitglied Patrick Fassbind. Bisher war der einzige Vereinsvertreter immer der Besitzer der Holding AG und konnte somit (zumindest theoretisch) die Anliegen des Vereins übergehen. Das soll sich nun ändern.

Die Initianten von «Yystoo» möchten, dass der Vereinsvorstand komplett unabhängig der Aktiengesellschaften wird. Damit müssten Besitzer Bernhard Burgener oder CEO Roland Heri aus dem Vorstand ausscheiden.

Neue Führung aus Sicht der Initianten unausweichlich

Die Bewegung «Yystoo» macht sich grosse Sorgen über die Entwicklung beim FCB unter Bernhard Burgener. Deshalb soll es nicht nur bei Anpassungen im Verein bleiben. Sie fordern einen Übergang zu einer lokal verankerten Clubverantwortung mit neuen Besitzverhältnissen und eine Neubesetzung der operativen Führung.  

Gleichzeitig halten auch die Initianten fest, dass sie keine Lösung bereithalten. Durch die Bewegung erhoffen sie sich jedoch eine neue Perspektive, die Ohnmacht hinter ihnen zu lassen und Stück für Stück eine Veränderung zu bewirken.

Die Bewegung gibt sich ein Gesicht

Schon heute gehören der Bewegung verschiedenste Organisationen, FCB-Fanclubs und Personen an, die sich auf der Webseite dazu bekennen. Dazu gehören die Fussballkulturbar Didi Offensiv, die Rapband Brandhärd, der Basler Grossrat Thomas Gander und viele weitere. Dass eine derartige Bewegung in Basel ein Gesicht erhält, ist neu und Zeichen des Frusts unter den FCB-Fans.

Die Muttenzerkurve als Dachverband vieler inoffiziellen Fanclubs verzichtet meist auf öffentliche Statements und ist damit für viele Fans unnahbar. «Yystoo» dagegen ist ein Verbund verschiedenster FCB-Fans und erhofft sich durch eine offene Kommunikation, eine mehrheitsfähige Veränderung im Verein (und im Profibetrieb) zu bewirken. Eines ist klar: Die nächsten Wochen werden spannend für FCB-Fans. Nicht nur auf dem Fussballfeld.

Weitere Informationen zu der Fanbewegung gibt es unter yystoo.ch.
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