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Bernhard Burgener: «Jede Minute, die ich für den FCB arbeite, mache ich aus Überzeugung und Freude»
Von rotblauapp.ch | Publiziert: Do, 29. Apr 2021 19:36 | Bearbeitet: Di, 28. Apr 2020 22:43
Im Sommer 2017 wurde Bernhard Burgener Präsident beim FC Basel 1893 und übernahm die Mehrheit der Aktien der FC Basel Holding AG. Seitdem wurde der FC Basel in der Liga zwei Mal Zweiter, Cupsieger und erreichte neben den Champions-League-Achtelfinals auch (mindestens) die Europa-League-Achtelfinals. Doch auch neben dem Platz sorgte der FCB für ungewohnt viele Schlagzeilen. Rotblau stellt den FCB-Präsidenten erstmals persönlich vor, blickt mit ihm auf die ereignisreiche Zeit zurück und redet mit ihm über die Zukunft des FCB.
Rotblau: Herr Burgener, herzlichen Dank für dieses Gespräch. Beginnen wir mit einem kurzen Blick zurück. Wie sind Sie eigentlich zum FC Basel gekommen?

Bernhard Burgener: Mitte Januar 2017 haben mich Marco Streller, Massimo Ceccaroni und Alex Frei erstmals getroffen. Bei einem Gespräch haben sie mir mitgeteilt, dass die alte Führung einen Käufer für den FCB sucht. Dieses Gespräch war sehr fruchtbar und ihre Ideen haben mir gefallen.

Es wurden zwei Bedingungen gestellt: Zuerst sollte ich einem kleinen Gremium ein Konzept vortragen. Anschliessend sollte ich an einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung (des Vereins) dieses Konzept präsentieren und bei einer Abstimmung die Mehrheit erreichen.

Nach mehreren Treffen und reiflicher Überlegung habe ich mich dazu entschlossen, das Konzept «für immer Rotblau» mit einem Vierjahresplan zu präsentieren. Wie Sie wissen, waren schliesslich über 80 % der Vereinsmitglieder mit dem Konzept einverstanden.

Mir hat gefallen, dass sich die drei ehemaligen Spieler im Verwaltungsrat und im täglichen Geschäft einbringen sollten. Wir waren uns einig, dass wir wieder mehr junge und lokale Spieler einbauen möchten. Transfers von Talenten sind für den FCB ganz wichtig. 


Bild: Bernhard Burgener bei der Präsentation vor der Mitgliederversammlung (Quelle: tageswoche.ch).


Stand von Anfang an fest, dass Ihr Engagement beim FCB gemeinsam mit den drei ehemaligen Spielern erfolgt?

Streller, Ceccaroni und Frei haben jemanden aus der Region Basel gesucht, mit dem sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen können. Wir haben uns alle vom ersten Gespräch an sehr gut verstanden. Unsere Ideen vom zukünftigen FCB haben sich entsprochen. Ein anderes Szenario war deshalb nie ein Thema.

Was war ihr Beweggrund, den FCB trotz des schweren Erbes zu übernehmen?

Mir war bewusst, dass es schwierig werden wird. Ich fand es toll, dass die alte Führung eine Basler Lösung gesucht hat. Sie hat mir genügend Zeit gegeben, um alles gut anzuschauen – natürlich auch die Zahlen. Dies hat dazu geführt, dass ich eben dieses Konzept entwickelt habe. 
Ich habe mich in all diesen Jahren immer mit dem Verein verbunden gefühlt. Für mich gehört der Verein zu Basel wie die Fasnacht oder der Zolli.
Wo haben Sie den FCB erstmals erlebt?

Ich habe den FC Basel das erste Mal 1965 im Stadion Landhof gesehen. Da ich an der Lehenmattstrasse beim St.-Jakob-Stadion aufgewachsen bin, habe ich den FCB lange begeistert begleitet. Früher bin ich natürlich immer auf den Stehplätzen gewesen – bei den Fans.

In den 90er-Jahren wurde ich von FCB-Präsident Peter Epting angefragt, ob ich in den Vorstand kommen möchte. Ich war fast drei Jahre im Vorstand des Vereins und durfte damals die Schattenseiten des Fussballs miterleben.

Beim Bau des neuen Stadions war ich einer der ersten, der eine Loge gezeichnet hat. Für mich war es ein Zeichen der Unterstützung für den FCB. Ich habe mich in all diesen Jahren immer mit dem Verein verbunden gefühlt. Für mich gehört der Verein zu Basel wie die Fasnacht oder der Zolli.

Was sind denn Ihre Pläne mit dem FCB? Was wollen Sie mit dem Club erreichen?

Ich wünsche mir, dass jedes Jahr zwei bis vier Spieler aus dem Nachwuchs den Sprung in die erste Mannschaft schaffen. Der FCB soll aus einem Kader mit rund 22–25 Spielern bestehen, mit einem Anteil von acht bis zehn jungen Spielern aus der Region.

Wir wollen dazu erfolgreich spielen, also um die Meisterschaft und den Cup vorne mitspielen und uns international für eine Gruppenphase qualifizieren. Mein Ziel ist, dass wir nach den ersten vier Jahren kein Problem mehr mit dem strukturellen Defizit haben (Anm. der Red.: Ausgaben sollten durch Zuschauer und Sponsoren gedeckt werden können). Es ist mir bewusst, dass das eine grosse Herausforderung ist, die wir bewältigen müssen.

Wie sieht ihre Bilanz zu den ersten drei Saisons als FCB-Präsident aus?

Dank der alten Führung und Urs Fischer hatten wir die direkte Champions-League-Qualifikation und trotz vielen Wechseln eine hervorragende europäische Kampagne. Dass wir in der Meisterschaft zwei Mal nur Zweiter geworden sind, finde ich auch schade. Allerdings wehre ich mich dagegen, dass alles immer kritisiert wird. Wir haben in der zweiten Saison den Cup geholt und diese Saison sind wir in allen drei Wettbewerben noch dabei. Ich finde deshalb, dass wir sportlich und finanziell auf gutem Wege sind. 


Bild: Auch in der Ära Burgener feierte der FCB grosse internationale Erfolge. Hier im Bild jubelt die Mannschaft über den historischen Auswärtssieg in Frankfurt (Quelle: Philipp Kämpf, Rotblau).


Gewisse Kreise kritisieren, dass zu viel gespart wird.

Mich schmerzt es natürlich auch, dass wir nicht jeden Wunschspieler verpflichten können. Man muss immer wieder den Mut haben, nein zu sagen.

Andererseits behalten wir aber auch für uns wichtige Spieler, deren Verkauf aus finanziellen Gründen attraktiv wäre. Es gibt einige Spieler, die wir von einem Verbleib überzeugen konnten. Alleine in den letzten Monaten beispielsweise Omlin oder Alderete. In der Hoffnung, dass sie sich positiv weiterentwickeln werden, haben wir bei diesen Spielern also ein finanzielles Risiko in Kauf genommen. Trotzdem müssen wir an die Zukunft denken, sowohl beim Sparen als auch beim Investieren. 

Seit Ihrem Antritt gab es immer wieder Momente, wo Interna an die Medien gelangt sind. Wir würden gerne mit Ihnen die Gerüchte aus dem Weg räumen und herausfinden, was wirklich dahintersteckt. Stimmt es beispielsweise, dass Ende 2018 elf Spieler zu Ihnen ins Büro (in Pratteln) gekommen sind?

Ja. Normalerweise treffe ich die Spieler nicht bei mir im Büro, sondern beim Stadion. Es war wohl mein Fehler, dass ich die Spieler bei mir im Büro empfangen habe. Der Grund war ganz simpel: Ich musste in etwa drei Stunden am Flughafen sein und ein Treffen beim Joggeli hätte ich zeitlich nicht geschafft. Die Spieler wollten aber vor meiner Abreise mit mir reden, deshalb habe ich sie in Pratteln empfangen. Es handelte es sich um ein Gespräch, bei welchem wir über verschiedene Punkte, natürlich auch den Trainer und seine Trainings, geredet haben.

Ich bin ein lösungsorientierter Mensch und denke, dass wir uns am Ende gefunden haben. Die erfolgreiche Rückrunde Anfang 2019 zeigte das ja sehr deutlich. Ich finde einfach schade, dass die Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen ist.

Reden Sie oft mit den Spielern? Ich dachte, Sie halten sich aus dem täglichen Geschäft heraus?

Damit meine ich, dass ich nicht auf der Geschäftsstelle bin und jede Rechnung kontrolliere. Ich bin aber Teil der technischen Kommission und des Verwaltungsrates, die über die grösseren Entscheide gemeinsam beraten. Ich bin einer, der sehr zurückhaltend ist. Ich gehe nur selten in die Kabine, aber sicherlich nicht auf die Trainerbank.

Trotzdem treffe ich alle Spieler etwa alle zwei Monate zu Gesprächen. Nur mache ich das normalerweise eben beim Joggeli. Ich habe bei Anliegen rund um den FCB immer ein offenes Ohr.

Erzählen Sie uns doch einmal vom vielzitierten Treffen in Ihrem Büro mit Sportchef Streller, CEO Heri, Cheftrainer Koller und dessen Berater Lamberti. Hat dieses Treffen so stattgefunden?

Ja, dieses Treffen hat stattgefunden. Es haben sich darüber Mythen gebildet, die nicht stimmen. Es ist wahr, dass Gespräche in die bekannte Richtung stattgefunden haben. Alle Beteiligten haben ihre Ansicht der Dinge mitgeteilt. Eine Entscheidung konnte aber dort gar nicht endgültig gefällt werden, dafür haben wir eine technische Kommission (Anm. der Red.: zu der technischen Kommission gehörten zu diesem Zeitpunkt neben Burgener, Streller, Heri und Koller unter anderem auch Ceccaroni und Zbinden). Die Mehrheit der technischen Kommission sprach sich für eine Weiterarbeit mit Marcel Koller aus, deshalb blieb er auch im Amt.

Also stimmt es nicht, dass Sie plötzlich Ihre Meinung von einem Tag auf den anderen geändert haben und nur deshalb Koller im Amt blieb?

Nein! Und ich bin keiner, der alleine entscheidet. Es ist doch klar, dass bei diesem Gespräch bei mir im Büro kein definitiver Entscheid gefällt werden konnte. 

Die Mehrheit der technischen Kommission hat so entschieden. 
Immer, wenn es um weitreichende Entscheidungen geht, muss ein Gremium entscheiden und nicht einzelne Personen.
Nach dem Abgang von Marco Streller übernahm Ruedi Zbinden den Posten des Sportchefs. Kurz danach gab es schon die ersten Transfermeldungen. Würden Sie sagen, dass Zbinden mehr Freiheiten als Streller geniesst?

So würde ich das nicht sagen. Schon Streller hat sich mit mir unterhalten, um unabhängiger Entscheide fällen zu können. Ich war einverstanden unter der Bedingung, dass ich Leitplanken setzen kann. Bei sportlichen Fragen rede ich nicht rein. Wenn es um grössere finanzielle Entscheidungen geht, dann muss aber auch der Verwaltungsrat beigezogen werden.

Es ist doch so: Jeder Sportchef möchte am liebsten ein Budget erhalten und damit frei entscheiden können. Aber in der Praxis lässt sich das kaum realisieren. Immer, wenn es um weitreichende Entscheidungen geht, muss ein Gremium entscheiden und nicht einzelne Personen.

Auch ein heisses Thema aktuell in den Medien ist die Kündigung mehrerer Jugendtrainer. Hat das mit der Strategie von Nachwuchschef van Lierop zu tun?

Nein. In der Nachwuchsabteilung haben wir etwa 65 Mitarbeiter. Etwa 5–10 % dieser Mitarbeiter wechseln jedes Jahr. Diese haben oft keine festen Verträge, sondern sind pro Saison angestellt. Eine gewisse Fluktuation ist also völlig normal und das hat nichts mit der Pandemie oder van Lierop zu tun. Es wird jedes Jahr die Situation neu beurteilt und entsprechend agiert. In diese Prozesse bin ich nicht involviert, das macht die Jugendabteilung.

Übrigens wurden diese Entscheide schon Ende März gefällt. Ich weiss auch nicht, warum es gerade jetzt in den Zeitungen diskutiert wird. 
Ich bevorzuge den Blick nicht gegenüber anderen Medien.
Egal was an die Öffentlichkeit kam, immer wieder war der Blick involviert. FCB-Fans fragen sich deshalb, warum das so ist. Kommunizieren Sie oft direkt mit dem Blick oder bevorzugen Sie ihn?

Es ist richtig, dass ich ab und zu dem Blick Interviews gegeben habe. Das hat vor allem damit zu tun, dass der Blick in der Sportberichterstattung eine führende Rolle einnimmt und sich gegenüber dem FCB hauptsächlich korrekt verhalten hat. Ich bevorzuge den Blick nicht gegenüber anderen Medien. Sie wissen sicher, dass wir auch sehr viel mit TeleBasel machen. Dort sind wir jede Woche auf Sendung in FCB total.

Warum ist es immer wieder der Blick, welcher FCB-Beteiligte vor ihrem Büro gerade «zufällig» fotografiert? Wer erzählt das der Zeitung?

Das weiss ich nicht! Ich jedenfalls habe kein Interesse daran, dass solche Treffen publik werden.

Kürzlich hat der FCB kommuniziert, dass er in Verhandlungen mit den Spielern bezüglich Lohnverzicht war. Auch hört man, dass die Zahl in den Zeitungen landete.

Als wir mitbekommen haben, dass geredet wurde, wollten wir die Sache klarstellen. Es ging nicht darum, uns oder die Spieler zu schädigen. Wir wollten verhindern, dass einseitig Zahlen herumgeboten wurden. 

Aber warum dann der Gang an die Medien? Sie waren doch sicher verärgert, dass schon wieder Fakten an die Öffentlichkeit gelangten?

Beide Seiten hatten vereinbart, dass sie in dieser Sache nicht an die Medien gehen. Natürlich war ich enttäuscht, dass dann doch während den Verhandlungen konkrete Zahlen bei den Medien landeten. Ich bin aber auch überzeugt, dass diese nicht von Seiten der Spieler kamen. Es gibt noch weitere Kreise, die davon Kenntnis hatten.

Mit der Medienmitteilung wollten wir vorbeugen, dass Unwahrheiten verbreitet werden. Leider ist es so, dass einzelne Medien zunehmend voneinander abschreiben. Bei falschen Meldungen ist das besonders ärgerlich, weil sich diese dann entsprechend verbreiten.

Also ärgert Sie das schon ein wenig?

Ja klar, denn vertrauliche Gespräche gehören nicht an die Öffentlichkeit. Ich habe viel Erfahrung in börsenkotierten Unternehmen und deshalb mit dem Umgang von vertraulichen Informationen. Es ist einfach inakzeptabel, dass immer wieder vertrauliche Gesprächsinhalte an die Öffentlichkeit gelangen.

Viele Fans haben sich gefragt, warum der FCB nicht einfach kommuniziert hat, ohne Zahlen zu nennen.

Das wäre wohl besser gewesen; im Nachhinein ist man oft schlauer. Am besten wäre es gewesen, die Zahlen wären von Anfang an gar nicht an die Öffentlichkeit gekommen. Wir hätten dann auch gar nie kommuniziert. 
Es gab und gibt keine Gräben zwischen den beiden Parteien.
Können Sie verstehen, dass sich vielleicht gewisse Spieler an den Pranger gestellt fühlen?

Das war natürlich nicht unsere Absicht und wenn das so verstanden wurde, bedaure ich das sehr. Aber hätten wir nichts kommuniziert, hätten die Medien die Zahlen trotzdem gebracht. Ich hätte es viel schlimmer gefunden, wenn diese dann auch noch falsch gewesen wären.

Inzwischen haben wir uns mit den Spielern intensiv ausgetauscht und eine sehr gute Lösung gefunden. Die Spieler haben sich dabei so professionell wie auf dem Platz verhalten. Es gab und gibt keine Gräben zwischen den beiden Parteien.

Eine letzte Frage zu der Vergangenheit habe ich noch. Weshalb haben Sie Anteile der FC Basel Holding AG an David Degen verkauft?

Ich habe David Degen im Mai 2019 näher kennengelernt, weil er auf mich zugekommen ist. Mir gefällt seine Art. Er ist Basler, er ist jung und passt zu uns. Seine Erfahrung im Fussball, auch aus dem Agentengeschäft (Anm. der Redaktion: Degen gründete mit seinem Zwillingsbruder die Fussball-Agentur SBE), kann uns helfen. Er ist eine Bereicherung für den FCB. 


Bild: David Degen spricht im SRF über seine neue Rolle als Verwaltungsrat beim FC Basel (Quelle: SRF).


Rotblau hat vor mehreren Jahren auch schon mit David Degen geschäftlich zusammengearbeitet, als wir gemeinsam Videos für die Plattform «Goalgetter.TV» produzierten. Wenn ich Sie mit David Degen vergleiche, würde ich sagen: Gegensätzlicher könnten zwei Personen nicht sein. Ist das für Sie nicht irgendwie schwierig?

Nein, ich komme sehr gut mit ihm klar. Wie meinen Sie das?

Er wirkt eher impulsiv und ungeduldig, während Sie überlegt und ruhig sind.

Das ist doch völlig normal im Leben – wir sind alle verschieden. Ich bin offen für alles und mag seine Art. Er ist jemand, der etwas bewegen will und genau solche Menschen brauchen wir. 
Ich wollte Zhegrova auch übernehmen!
Sehen Sie kein Konfliktpotential, wenn Sie nicht gleicher Meinung sind? Er wollte beispielsweise Zhegrova unbedingt behalten.

Natürlich haben wir das diskutiert. Aber am Schluss habe ich gesagt: Wir müssen jetzt alles tun, um unsere Liquidität zu sichern. Ich wollte Zhegrova auch übernehmen! Wir haben versucht, die Option um zwei Monate zu verlängern. Aber das wollte der Besitzer-Club nicht. Deshalb haben wir uns aufgrund der aktuellen Situation entschieden, dass eine Übernahme Ende März keine gute Idee ist. Niemand kann zurzeit voraussagen, wie es im Fussball weitergeht.
Ich bin den Fans dankbar, wenn sie ein gewisses Verständnis dafür haben, dass auch wir als FCB vor unglaublichen Herausforderungen stehen
Sie können sicher verstehen, dass die Fans die Befürchtung haben, dass im Sommer ein Ausverkauf droht und weitere Leihspieler nicht übernommen werden.

Zurzeit gibt es im Zusammenhang mit der Coronakrise einfach sehr viele Fragen, auf die wir alle noch keine Antwort haben. Ich bin deshalb den Fans dankbar, wenn sie ein gewisses Verständnis dafür haben, dass auch wir als FCB vor unglaublichen Herausforderungen stehen. Ich bin überzeugt, wir werden sie erfolgreich bewältigen. Aber sicher ist auch, dass wir dabei nicht jeden Wunsch erfüllen können. 

Damit kommen wir zu der Gretchenfrage: Wie habt Ihr's mit der Liquidität?

Kurzfristig ist die Liquidität gesichert. Wir prüfen zurzeit intensiv, welche mittel- und langfristigen Optionen wir haben. Wie gesagt haben wir in den letzten Monaten durch den Verzicht auf gewisse Spielerverkäufe ein finanzielles Risiko genommen. Jetzt schauen wir, wie wir es dieses Jahr hinbekommen. Ich bin aber zuversichtlich.

Kritiker sagen, Sie haben doch gerade eben Okafor verkauft. Hat man damit das strukturelle Defizit aus 2020 – ohne Corona einzurechnen – nicht bereits gedeckt?

Das strukturelle Defizit liegt etwa bei 30 Millionen Franken: Die Ausgaben liegen bei etwa 75–80 Millionen, während die Einnahmen bei rund 40–45 Millionen liegen (Anm. der Red.: Hier sind Transfers und Uefa-Einnahmen explizit ausgeklammert). Das ist die Realität. Ausserdem laufen im Sommer einige Spielerverträge nicht weiter. Ob wir einen Teil dieser Fixkosten senken können, werden wir prüfen.

Wenn die Corona-Pandemie nicht gewesen wäre, hätten wir wohl im Sommer einen Transfererlös erzielt, der das strukturelle Defizit aufgefangen hätte. 
Ich habe aber immer gesagt, dass ich den FC Basel langfristig absichern und dafür sorgen möchte, dass die Kontrolle immer in Basler Händen ist.
In den Medien wird auch spekuliert, dass Sie Ihre Anteile an der FC Basel Holding AG verkaufen könnten. Haben Sie vor, demnächst den FCB zu verkaufen?

Nein. Warum sollte ich ausgerechnet jetzt den FCB im Stich lassen? Die Kontrolle (Anm. der Red.: die Mehrheit des Aktienkapitals der FC Basel Holding AG) werde ich nicht abgeben. Ich habe aber immer gesagt, dass ich den FC Basel langfristig absichern und dafür sorgen möchte, dass die Kontrolle immer in Basler Händen ist.

Jetzt geht es – wie bei jedem Unternehmen – darum, den Club und vor allem den gesamten Schweizer Fussball durch die Corona-Krise zu führen. Unsere Mitarbeiter, darunter auch Roland Heri und Ruedi Zbinden, arbeiten rund um die Uhr dafür. Wir haben viele Herausforderungen und Fragezeichen, die wir gemeinsam lösen wollen.
Es war nie meine Idee, mit dem FC Basel Geld zu verdienen.
Diese Spekulationen gab es vermutlich auch aufgrund der schwierigen Lage. Sie könnten ja versuchen, Ihr Geld zu retten.

Ich habe von Anfang an gesagt: Ich will mit dem FC Basel kein Geld verdienen. Wir nehmen keine VR-Honorare, ich beziehe keinen Lohn. Jede Minute, die ich für den FCB arbeite, mache ich aus Überzeugung und Freude.

Eine Zeitung hat kürzlich bemerkt, dass Chameleo AG, ein Tochterunternehmen Ihrer Firma HLEE AG, für den FC Basel Dienstleistungen erbringt. Was können Sie uns dazu sagen?

Chameleo ist eine im Fussballgeschäft hochspezialisierte IT-Firma, welche uns unterstützt. Die zwei für den FCB zuständigen Mitarbeiter bei Chameleo kenne ich seit vielen Jahren. Sie haben für Sport1 die aktuelle Plattform aufgebaut. Zurzeit haben sie Mandate für verschiedene Fussballclubs in der Schweiz und in Deutschland.
Wir wollen nur das Beste für den FCB.
Es kam das Gerücht auf, dass Sie via Chameleo am FCB Geld verdienen könnten.

Das stimmt einfach nicht. Chameleo hat ein grosses Know-how, von dem der FCB profitieren kann. Um genau solche Gerüchte vorzubeugen, habe ich von Chameleo explizit verlangt, dem FCB faire Marktpreise zu verlangen.

Es trifft sogar das Gegenteil der Gerüchte zu: Chameleo hat ein grosses Know-how, von dem der FCB profitieren kann. Dank Chameleo hat der FC Basel heute ein einzigartiges IT-System (Anm. der Red.: Der FCB hat zu Beginn dieses Jahres eine SAP-Umgebung eingeführt, die von den Bayern für Fussballclubs entwickelt wurde.). Der Club wird in Zukunft mit diesen und weiteren strukturellen Verbesserungen viel Geld einsparen können.

Auch bei unserem Indien-Projekt ging es für mich nie um etwas anderes: Der Club soll mit zusätzlichen Einnahmequellen unabhängiger werden. Wir wollen nur das Beste für den FCB.
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