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«Niemand schlägt Embolo einen Gefallen aus»
Von rotblauapp.ch | Publiziert: Di, 12. Dez 2017 15:40 | Bearbeitet: Di, 12. Dez 2017 15:40
Breel Embolo hat 2015 zusammen mit der Familie Paolucci eine Stiftung gegründet mit dem Zweck, benachteiligten Kindern in Kamerun, Peru und der Schweiz zu helfen. Etliche Sportler haben in den letzten Jahren Stiftungen gegründet und sich der Wohltätigkeit verschrieben. Was also zeichnet die Embolo-Foundation aus? Marc Paolucci und Breel Embolo bieten im Gespräch mit Rotblau Einblick in den Alltag einer solchen Sportler-Stiftung und sprechen von Problemen, die man so vielleicht nicht erwarten würde.
Es ist ein unscheinbares Bürogebäude, das wir an diesem Montagnachmittag betreten. Die Embolo-Foundation ist im Büro von Marc Paoluccis Arbeitgeber untergebracht. Paolucci ist CFO einer Finanzunternehmung und pflegt gute Kontakte mit dem FC Basel. Sein Vater spielte einst zusammen mit Karli Odermatt unter Benthaus beim FCB. Er spricht schnell von zwei sehr unterschiedlichen Welten: Einerseits kommt er tagtäglich mit dem Thema Geld in Berührung, andererseits befasst er sich oft mit Wohltätigkeitsarbeit für eine Stiftung, bei der alle Beteiligten auf ehrenamtlicher Basis tätig sind. Schnell wird klar, wieviel ihm die Arbeit für die Stiftung bedeutet.

Marc Paoluccis Mutter arbeitete lange Zeit beim Fussballverband Nordwestschweiz, wo auch Breel Embolo seine KV-Lehre absolvierte. Paoluccis Mutter stammt aus Peru und kam in den 60er-Jahren in die Schweiz. Breel selbst kam im Primarschulalter in die Schweiz. Beide waren mit ähnlichen Integrationsproblemen konfrontiert, was von Anfang an für eine gewisse Verbindung gesorgt hat. Vor zwei Jahren setzten sich die beiden Familien zusammen und entschieden sich dafür, Synergien zu nutzen und, mit Hilfe von Breels Namen und Paoluccis Finanzwissen, etwas Gutes zu tun. Breel war von Anfang an dabei, brachte sich intensiv ein und gleiste die Stiftungsgründung schliesslich zusammen mit seiner Mutter und Paoluccis Familie auf. Marc Paolucci war bewusst, wie wichtig es ist, dass Breel eine Vorstellung davon hat, was auf ihn zukommt: «Mir war am wichtigsten, dass Breel weiss, worauf er sich einlässt, dass er A versteht, worum es geht, B was die Konsequenzen sind, welche Verantwortung auf ihn zukommt und C, ob er das wirklich will.»



Breel versucht, so oft er kann selbst bei Einsätzen dabei zu sein.

So führte eins zum anderen – die Länder, in welchen sich die Stiftung einsetzen sollte, waren schnell ausgesucht: Peru, Kamerun und die Schweiz. Breel war derjenige, der sich für das Engagement in der Schweiz stark machte, ihm sei es unheimlich wichtig gewesen, etwas für die jungen Flüchtlinge in der Schweiz zu tun. Die Suche nach einem Partner in der Schweiz dauerte nicht lange; der Erlenhof in Reinach arbeitet seit Beginn eng mit der Embolo-Foundation zusammen und führt jedes Jahr das Integrationsturnier durch. Flüchtlingskinder können dort zusammen mit Schweizer Kindern Fussball spielen, zusammenkommen, Erfahrungen austauschen und Spass haben. Die Turniere werden jedes Jahr von mehreren berühmten Schweizer Fussballern begleitet, 2016 war dies unter anderem Philipp Degen.



Manuel Akanji, Breel Embolo und Philipp Degen beim letztjährigen Integrationsturnier.

Es sei die Kinderhilfe, die Breel Embolo unheimlich am Herzen liege, bestätigt Paolucci und man merkt, wie beeindruckend er das Engagement eines derart jungen Menschen findet. «Breel sagte mir oft, Kinder haben keine Wahl, wo sie geboren würden, aber umso mehr sollte jedes Kind die Chance erhalten, etwas aus sich machen zu können. Er habe Glück gehabt mit dem Fussballtalent, andere würden nicht so stark gefördert, obwohl sie Talent in verschiedensten Bereichen besässen.» Dass die Stiftung sich auf die Kinderhilfe konzentriert, ist also selbsterklärend. «Ich hatte in meinem Leben mehr Glück als andere. Da ist es nur normal, dass man versucht, Menschen zu unterstützen, die weniger Chancen hatten», sagt Embolo gegenüber Rotblau.

Dass Breel sich so stark auf Flüchtlingskinder konzentrierte, hatte sicherlich mit dem damals akuten Flüchtlingsproblem zu tun. Paolucci erinnert sich noch gut an das Gespräch mit Breel: «Ich muss ehrlich sagen, ich werde 39 Jahre alt und habe damals gedacht, ich höre nicht recht, als Breel mit dem Thema Flüchtlinge kam. Da sass er da, mit seinem „Käppi“ und sagte, wir müssten etwas für die Flüchtlinge tun. Ich war damals überrascht und es hat mir sehr imponiert, dass er sich neben seiner Karriere offensichtlich lange Gedanken über dieses Thema gemacht hatte.»

Das Fazit der bisher durchgeführten Integrationsturniere ist durchwegs positiv. Viele Jugendliche hätten sich überrascht geäussert – die Flüchtlinge seien «gar nicht so, wie man überall hört» und zu Hause hätte man ihnen noch gesagt, sie müssten auf ihre Sachen aufpassen. Die Turniere seien wichtig, um Vorurteile abzubauen. Vorurteile, die im Überfluss vorhanden sind und nur verschwinden, wenn die Berührungsängste kleiner werden, ist sich Paolucci sicher. Oft müsse man den Leuten erklären, wieso das Engagement für Flüchtlingskinder wichtig sei. «Solchen Menschen sage ich, dass es ein wichtiges Thema ist, mit welchem wir uns beschäftigen müssen. Gerade deshalb ist die gemeinsame Arbeit mit Breel wichtig, weil er diese Einstellung auch den Jugendlichen vermitteln kann, ihnen zeigen kann, dass man sich auch mit 20 Gedanken zu diesem Thema machen kann.» Embolo betont, dass Integration in keiner Weise einseitig sei, im Gegenteil: «Wer in der Schweiz landet, muss auch bereit sein, sich den Gegebenheiten in diesem Land anzupassen. Das ist leichter gesagt als getan. Aber es gibt genügend gute Beispiele, die zeigen, dass es funktionieren kann, indem man respektvoll aufeinander zu- und miteinander umgeht.»

Nach dem zweiten Integrationsturnier berichtete 20min über das Turnier. Die Leserreaktionen waren erschütternd, es seien Leserkommentare geschrieben worden, die ihn sprachlos gemacht hätten, erzählt Paolucci. «Menschen fragten sich, weshalb man uns unterstützen sollte, den Flüchtlingen ginge es schon gut genug.» Breel sei mittlerweile derart professionell im Umgang mit den Medien, dass er solche Kommentare wohl kaum mitbekomme. Für Paolucci seien solche Äusserungen die grösste Motivation, um weiterzumachen, es treibe einen an und es zeige, dass ein grosser Bedarf vorhanden sei, weiter Aufklärung zu betreiben. Wenn die Aufklärungsarbeit bei jungen Menschen beginne, würde die Arbeit irgendwann Früchte tragen. «Wenn man über sich selbst nachdenkt – und das machen Jugendliche – dann wird einem rasch klar, wie gut es uns geht. Diese Erkenntnis hilft, um Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen zu können», ist Paolucci überzeugt.

Mit den 30 Helfern sind es 37 Personen, die auf ehrenamtlicher Basis für die Stiftung arbeiten. Embolos Mutter Germaine und Paoluccis Mutter fliegen regelmässig zu den Einsatzorten in Peru und Kamerun. Die Sachspenden, die für Kamerun bestimmt sind, werden von einer Stiftungsvertreterin begleitet, um sicherstellen zu können, dass die Güter am Zoll als Spenden deklariert werden und auch wirklich an ihrem jeweiligen Ziel ankommen. Durch Breels Bekanntheitsgrad sei die Arbeit in Kamerun um einiges einfacher, da die Kameruner ihn als Nationalhelden feiern würden. «Meine Mutter und Breels Mutter Germaine wurden schon oft mit Plakaten und überdimensional grossen Autogrammkarten empfangen, begleitet von Musik und Tanz, Breel ist wirklich sehr bekannt dort», berichtet Paolucci von den Empfängen vor Ort. Breel versteht die Begeisterung des kamerunischen Volkes, ist aber oft etwas überfordert: «Das ist natürlich schön und Ausdruck von Freude in jenem Land, aber mir ist es jeweils nicht so recht, wenn ich gefeiert werde. Ich will dann einer von ihnen sein und nicht der Fussballstar oder der grosse Helfer.»

Die Reisen nach Kamerun seien keine kleine Sache, sagt Paolucci, der Aufenthalt dauere meistens zwei bis drei Wochen. Breels Name sei auch der Türöffner für Gespräche mit dem Bürgermeister von Yaoundé gewesen, welcher wiederum den Kontakt zum hiesigen Gesundheitsminister ermöglicht habe. Die Lieferung der Sachspenden wäre ohne diese Kontakte unheimlich schwierig.



Mama Embolo und Paoluccis Mutter bei einem Einsatz in Kamerun.

Im Allgemeinen sei die Korruption in Peru viel stärker ausgeprägt. Die Embolo-Foundation unterstützt in Peru ein Mädchen-Waisenhaus, in welchem sowohl Säuglinge als auch bis zu 18-jährige Mädchen untergebracht sind. Die Mädchen seien grösstenteils von den Eltern auf die Strasse gelegt worden, niemand habe sich um sie gekümmert. Viele Mädchen hätten auch für die alkoholabhängigen Eltern arbeiten müssen oder seien vergewaltigt worden. So sehr die Verantwortlichen des Waisenhauses die jungen Mädchen beschützen möchten, die peruanischen Gesetze verunmöglichen diese Hilfe oft.

In Peru gibt es keinen Kinderschutz, es gibt sogar ein Gesetz, welches besagt, dass die Mädchen nicht in einem Heim bleiben dürfen, wenn es noch Familienmitglieder gibt, welche die Mädchen gerne zu sich zurückholen möchten. Die jeweiligen Umstände werden hierbei nicht beachtet. «Wenn die Familie sagt, sie wolle das Kind zurück, dann muss das Kind wieder zur Familie zurück, ganz egal, was passiert ist», beschreibt Paolucci die schwierige Situation in Peru. Das sei für alle Beteiligten ernüchternd und unverständlich. Es gebe Möglichkeiten, den Prozess zu verzögern, dabei handle es sich aber nicht um konstruktive Lösungen: «Man kann die administrativen Abläufe verzögern, indem man zum Beispiel behauptet, man müsse noch gewisse medizinische Untersuchungen an den Mädchen vornehmen. Ein anderes Beispiel zeigt auf, wie korrupt es wirklich ablaufen kann. Oft kommt ein Angehöriger eines Mädchens zu uns und sagt, wenn man ihm 10'000 Dollar bezahle, würde er kein Begehren mehr stellen. Solche Situationen machen einen unglaublich hilflos.»

Erlebnisse dieser Art zeigen auf, wie wichtig die Arbeit im Bereich der Kinderhilfe ist. Es sei nicht nur Embolos Name, der Türen öffnen könne, es sei auch seine Art – man möge ihn und man tue gerne etwas für ihn. Man könne Breel schlicht keinen Gefallen ausschlagen. So überrascht es kaum, dass einige bekannte Namen zu den Unterstützern der Embolo-Foundation gehören: Luca Zuffi, Fabian Lustenberger, Fabian Frei, Murat Yakin, Kevin Schläpfer, Rafael Beutl – sie alle haben sich schon auf verschiedenste Arten für die Stiftung eingesetzt. Manuel Akanji ist sogar Botschafter der Stiftung. «Er unterstützt uns wirklich immer, er ist ein ganz toller Typ», äussert sich Paolucci zum wohl berühmtesten Botschafter der Stiftung.

So wie Embolos Name Türöffner sein kann, ist er manchmal auch ein Fluch. Paolucci erhält zahlreiche Anfragen für Events und Unterstützungen, die er meisten allesamt absagen muss. «Wir erhalten kaum Geld - unser grösstes Problem ist es, dass viele unsere Arbeit interessant finden, aber automatisch davon ausgehen, dass wir genug Geld haben. Viele fragen sich, weshalb wir Geld brauchen sollten, wir haben ja Embolo», schildert Paolucci die oft mühsame Situation. Es ist aber nicht Verständnislosigkeit, die aus ihm spricht, im Gegenteil – er versteht es, dass viele Menschen automatisch davon ausgehen, dass die Stiftung keine finanziellen Probleme haben könne. Auch Breel sagt ganz klar, dass es selbstverständlich jedem selbst überlassen ist, ob er die Stiftung unterstützen möchte, oder nicht: «Ich kann nur so viel sagen: Wir können jeden Beitrag gebrauchen, es gibt sehr viel Handlungsbedarf. Und ich kann garantieren, dass das Geld dort eingesetzt wird, wo es am dringendsten gebraucht wird.»



Fussball verbindet nicht nur Nationen, er bringt auch Kindergesichter zum Strahlen.

Wie aber kommt die Embolo-Foundation trotzdem an Sponsoren heran? Dank Embolos Namen ist es relativ einfach, die Stiftung in die Presse zu bringen. An Anlässen wie dem Integrationsturnier tritt die Stiftung jeweils mit einem Stand auf, um zu informieren und Fragen zu beantworten. Über die Homepage hat jeder die Möglichkeit, auf privater Ebene Unterstützung zu leisten. Ein wichtiger Bestandteil der Unterstützung sind die Gönner, welche seit der Stiftungsgründung mit dabei sind. Das damalige Gründungskapital betrug CHF 50'000 – jeweils hälftig finanziert durch Embolos und Paoluccis Familie. Von diesem Startkapital lebt die Stiftung heute noch. Da niemand Geld verdient und alle ehrenamtlich arbeiten, können die laufenden Projekte auch weiterhin durchgeführt werden. Das ist nicht das Einzige, was die Embolo-Foundation von vielen anderen Stiftungen unterscheidet: «Wir können unseren Gönnern jederzeit sagen, wofür ihre Spende verwendet wurde, wir arbeiten hier sehr transparent, was in der heutigen Zeit stark verlangt wird», ist sich Paolucci sicher. An den Einsatzorten wird sich in Zukunft nichts ändern, eine Ausweitung auf weitere Länder ist aus finanziellen Gründen nicht möglich. Sowohl in Peru, Kamerun, wie auch in der Schweiz gebe es noch genug zu tun: «Wir wollen uns immer auf wenige Projekte beschränken, weil wir auch den Anspruch haben, den Gönnern immer sagen zu können, wo ihr Geld hinfliesst», begründet Paolucci die Konzentration auf die drei Länder. Eines ist klar, Projekte, die die Embolo-Foundation aufzieht, werden bis zum Ende durchgezogen. Es ist nicht nur die Transparenz, welche den Stiftungsmitgliedern sehr wichtig ist, auch die konsequent professionelle Durchführung von Projekten liegt allen Beteiligten sehr am Herzen.

Angesprochen auf die Entwicklung der Embolo Foundation in den nächsten zehn Jahren bleibt Breel realistisch und drückt gleichzeitig seinen Respekt für Vladimir Petkovic aus: «Ich mache es wie der Nationalcoach und sage: Step by step. Machen wir Schritt für Schritt. Entwickeln wir uns weiter, immer schön im Rahmen unserer Möglichkeiten.»

Ein Artikel von Lea Meister, Rotblau.


Rotblau hilft mit!

Zugunsten der Embolo Foundation versteigert Rotblau ein originales und von Hand signiertes Nati-Trikot von Breel Embolo. Das Trikot kann via Ricardo ersteigert werden:

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